REVIEWS: Furioso

BloodDawn.de (GER)

Äußerst selbstbeweihräuchernd gibt man sich auf der Homepage sowie im Booklet und in der Bandinfo. Und die Mannen von PAVOR haben auch allen Grund dazu, denn alles, was dort von Band und Presse von sich gegeben wird, kann ich widerspruchslos unterschreiben. Schon beim Hören dieses Meisterwerks zeigt sich nämlich, dass dies keine Überheblichkeit oder arrogante Selbstüberschätzung ist, sondern grundehrlich ist und daher sympathischer rüberkommt als anfangs vermutet.
Extrem komplexer, brutaler und deathlastiger Metal mit zahlreichen Blicken über den Tellerrand bis hin zu jazzigen und klassischen Elementen wird hier mit höchstmöglicher Virtuosität vorgetragen. Seien es Armin Raves ultrapräzise und verschachtelte Riffsalven, seine zahlreichen Dissonanzen und Killersoli, Michael Pelkowskys wahnwitziges Drumming, welches an technischer Perfektion und Rafinesse kaum zu überbieten ist, Claudius Schwartz' hasserfüllte Eiterschlürf-Growls, die ganz ohne irgendwelche Hilfsmittel ins Mikro gebellt werden oder das beinahe in den Wahnsinn ausufernde, auf einem sechssaitigen Tieftöner performte Bassspiel von Rainer Landfermann - da wird mit einer Progressivität und Kompromisslosigkeit in Brutalität und Technik zu Werke gegangen, dass man seine Instrumente am liebsten sofort verschachern würde. eBay-Metal sozusagen, hehe!
Aber bleiben wir ernst und schauen wieder grimmig drein. Schon der über neun Minuten lange Opener 'Inflictor Of Grimness' zeigt gleich in fast allen Facetten, wo lang die Marschrichtung der Scheibe geht. Und man kann es kaum glauben, dass diese Fülle musikalischer Informationen in für sich stehende, schlüssige Songs gepackt werden können, ohne überladen und zerfahren zu wirken. Doch PAVOR praktizieren dies problemlos. Detailverliebt, ist jeder Part ein musikalisches Kleinod für sich, und so weit 'auseinander' man spielt, so tight und harmonisch ist es dennoch. So krass manche Übergänge auch sind, so fließen sie in den Kompositionen dieses Quartetts völlig stimmig ineinander. Dank wunderbar brachialer Brutaloparts, die fast schon straight sind und einen lediglich auf die nächste geniale instrumentale und kompositorische Irrsinnseskapade vorbereiten, bekommt das ohnehin schon sehr organische Material einen noch natürlicheren Anstrich. Nichts ist gekünstelt, keines der Arrangements klingt in irgendeiner Sekunde auch nur ansatzweise aufgesetzt.
Gegen diese Band wirken Atheist und Cynic zeitweise wie Drei-Akkord-Punk, Steve Vai und Joe Satriani wie Gitarrenschüler, Steve DiGorgio wie ein Neuling am Bass, und Gene Hoglan wie ein Schülerband-Drummer. Death, Dillinger Escape Plan, Spiral Architet und wie sie alle heißen, mutieren im Vergleich zu PAVOR manchmal nahezu zu Easy Listening. Vader erscheinen einem langsam wie Doom Metal, Immolation und Sinister's Brutalitätslevel sinkt plötzlich auf das Niveau von Fruchtzwergen mit Aprikosengeschmack. Besonders hervorzuheben sind auch die subtilen und intelligenten Texte, die stets eng in Verbindung mit der Musik stehen, was sich besonders beim extrem schnellen und verfrickelten Rausschmeißer 'Dilettante's Dilemma' (saucooler Titel!) verdeutlicht.
Die im Jahre 1997 in der Nähe von Bonn gegründete Band schafft es trotz all dieser Auslotung der Extreme, auf ihrem erst zweiten Album ein homogenes und nachvollziehbares Stück hochwertiger musikalischer Kunst abzuliefern, welches Kritikpunkte zu keiner Zeit zulässt. Genau so professionell wie die Musik ist auch die optimale Produktion, für die sich Rave und Landfermann verantwortlich zeichnen (BGM-Tonstudio, Bad Honnef). Letztgenannter hat auch das Design der Homepage sowie das komplette Booklet entworfen. Ohnehin macht die Band auch sonst alles in Eigenregie, so vertreiben Pavor ihre CDs ausschließlich selbst und schicken sie auch nicht an Labels. So kristallisiert sich heraus, wer wirklich Interesse am künstlerischen Wert der Band hat und nicht an Verkaufszahlen. Eine gesunde Einstellung, wie ich finde. Um so unverständlicher ist allerdings, dass die Plattenlabels nicht vor Pavor niederknien. Hiermit seien alle Labels, denen es um die Verbreitung guter MUSIK geht, aufgefordert, die Jungs mal unter die Lupe zu nehmen.
Damit ihr meine Begeisterung nachvollziehen könnt, empfehle ich euch, der Bandhomepage www.pavor.com einen Besuch abzustatten. Dort könnt ihr euch ein paar Songschnipsel im mp3-Format herunterladen und erfahrt Details über die Bestellung dieser und der 1994er Debüt-CD 'A Pale Debilitating Autumn'.

Fazit: Glatte 6 von 5 Punkten :)

Avenger